"Wer zuerst kommt, malt zuerst" , das kann uns die Natur am besten verdeutlichen. Hier ist das Absolute keineswegs negativ. Das höchste, das beste, das größte, das stärkste: das sind Superlative, die den Bestand des Baumes nur sichern können. In unserem Bestreben nach Gleichgewicht müssen wir darauf achten, dass die Superlative unser Werk ständig gefährden. Daher reduziere ich die Krone in Aufbaujahren ziemlich drastisch, versuche aber immer das Wachstum so zu steuern, dass Dickenwachtum mit Verzweigung einher geht.

Die Krone: Vorher
Hier kann man sehen, dass ich die Opferäste im inneren Bereich habe wachsen lassen. Das hat den Vorteil, dass 2 Drittel des Astes "normal" wachsen kann und nur der Stamm bis zum Opferast vom Dickenwachstum betroffen wird. Die drei Aufgaben,die mit diesem Ast verbunden sind, betreffen erstens die Verzweigung und der Aufbau einer neuen jungen krone, zweiten die Verwallung eines drastischen Schnittes mit neuen Kambium und drittens den Aufbau eines stärkeren Astes im inneren Bereich. In der Praxis sieht es folgendermaßen aus: der längere innere Ast mit der höher gelegenen Spitzenknospe wird besser versorgt und kan die o. g. Zwecke erfüllen, ohne dass der Design des Aste in Mitleidenschaft gezogen wird. Opferäste werden, wie ihr Name es verrät, irgendwann mal geopfert, also abgeschnitten.

Die Krone: Nachher:
Vergleichbar mit dem Rest ist es hier oben ziemlich spärlich mit Zweigen besiedelt, so dass man im ersten Moment denken kann, die zukünftige Gestaltung könnte darunter leiden. Dem ist nicht so. Dem Aufbau der Krone gilt unsere höchste Aufmerksamkeit. Eine Missachtung eines Sommers lang kann die Arbeit von mehreren Jahren vernichten. Es ist also fortwährend zu achten, dass die Stärke der Äste im oberen Bereich nicht überhand nimmt. Es gilt die Regel, Trieb abschneiden, wenn dieser die Hälfte des Zweiges erreicht hat, aus dem er entspringt.