Menu:

Ich möchte mit den folgenden Bildern zeigen, welche Arbeiten bei unbelaubtem Zustand an einem Ahorn durchgeführt werden können.
Diese Arbeiten sind entweder im Herbst oder im Frühjahr möglich.
Ich, persönlich, überwintere alle meine Bäume in einem Gewächshaus (mit Frostmelder und elektrischer Heizung, die bei 1-3 Grad eingestellt ist). Der Frühjahr meldet sich recht früh, so dass ich in der Regel Anfang März mit dem Bonsaijahr anfange. Bei guter Haltung verlängert dies die Wachstungsperiode um gute 2 Monate. Das hängt selbstverständlich damit zusammen ab, wo, wie, wie dunkel/hell, der Baum steht. Das sind Erfahrungswerte, die jeder für sich machen muss, für die so manches Lehrgeld bezahlt muss, für die es keine Rezepte gibt.

Erstes Bild des Ahorns nach dem Kauf

Das erste Bild:
Diesen Dreispitzahorn habe ich in Italien im Frühjahr 2000 bei einem Ausverkauf gekauft. Wenn ich ehrlich bin, habe ich den Baum eher zu Übungszwecken gekauft. Der Dreispitz ist mir nicht wegen seiner Vorzüge aufgefallen, sondern wegen seines Preises. Ich war der Meinung, dass nach Abzug der Schale, der Wert des Baumes auf ca. 70 DM liegen musste: Gut genug für meine Absichten.
Der Baum war im Feld schnell gewachsen: Der Stamm wies mehrere schlecht verheilte Astschnitte, eine grob gekappte Spitze, die von einem jungen dünnen Trieb ersetzt wurde, dickere Äste im oberen Bereich als im unteren. Irgendwie fehlte ein Konzept.
Das erste Ziel war die Grundversorgung des Baumes durch ein gesundes Wurzelwerk zu sichern: Umtopfen in Akadama (bei meinen 4 Bäumchen kann ich mir das leisten!), Düngen mit Osmocote (für mich die Lösung!), wachsen lassen. Und warten, bis ich eine Eingebung bekam: Bonsai hat doch etwas mit Geduld zu tun!

 

Screenshot

Der Übungsbaum:
Je länger ich den Baum betrachtete, desto weniger fiel mir der fehlende Konzept ein! Was tun mit diesem ersten unteren linken Ast? Was tun, mit diesem schwachen ersten Ast? Und diese schmächtige Möchtegern-Spitze! Eigentlich hätte man alles wegschneiden müssen, von Grund auf neu anfangen! Aber dazu fehlt einem schließlich der Mut. Man denkt an die Zeit, die danach vergeht, bis man wieder anständige Äste hat, von der sekundären Verästelung ganz zu schweigen!
Das Wachsen lassen ist nichts für solche Menschen geeignet, die nur 4 Bäumchen besitzen, denn denen juckt es im Frühjahr mächtig in den Fingern. Sie müssen rann bzw. die 4 Bäumchen müssen unbedingt ran! Was tun, wenn man nach einem Konzept sucht? Man probiert rum, biegt hier und da, schiebt rauf und runten, nach rechts nach links, wieder nach vorne vielleicht? Und dann passierte es: Die Spitze war weg! Eigentlich eine Katastrophe, nicht wahr? Aber nein, ich habe keine Träne vergossen und mir die Haare gerauft! Ich habe das als Wink vom Schicksal hingenommen. War das nicht ein Übungsbaum?

Im Juni: Blattschnitt

Wie bekommt man eine neue Spitze?:
Das war die Frage, die mich seit dem Frühjahr beschäftigte! Was mache ich nun, um einen neuen Trieb daoben zu bekommen? Die gekappte Stelle war so verhunzt, dass nichts von Trieben zu sehen war. Der Baum war sicherlich der Meinung, dass sich da oben keine günstige Stelle anbot für eine gesunde Knospe! Also musste eine Prothese hin! Die lang gewachsenen Äste würden sich bestimmt hervorragend für einen Anplatten durch Bohren bieten. Bei der Gelegenheit habe ich ca. 6 andere Bohrungen durch den geschundenen Stamm ausgeführt: Wo Platz war habe ich munter gebohrt, das hat mir richtig Spaß gemacht! Überwintert hat der Baum im Gewächshaus. In diesem Winter sind die gelangweilten Zwergkanichen meiner Tochter aus ihrem Gehege im Gewächshaus ausgebüchst und haben dafür gesorgt, dass sie bei mindestens 3 Bäumen Jin und Shari als Erinnerung aus ihrem Knabbern hinterlassen haben. Die dünnen Zweige des Dreispitzes haben dieses Spielchen nicht überlebt und sind vor sich hin ausgetrocknet.

Astpfropfen

Die Spitze:
Einer von den lang gewachsenen Triebe wurde während des Sommers rechtzeitig so gebogen, dass die Ein- und Durchführung durch die Bohrung keinen weiteren Stress für den Baum bedeutet und dass das Wachstum ohne Verzögerung einsetzen kann. Die Rinde wurde auf ca. 2 cm abgekratzt und mit dem Keil, der aus einem Stück Ast besteht, wurde dafür gesorgt, dass die 2 Kambien Kontakt haben. Auf diesem Bild kann man sehen, wie ich den Ast in die Bohrung fixiert habe.